„Der Mit-Trinker ist nicht der Coole“

Zu dem diesjährigen Alkohol-Präventionstag bekamen die 8. Klassen Besuch:

Frank Milbich, ein trockener Alkoholiker, der heute als selbständiger Präventionscoach tätig ist und es zu seinem Beruf gemacht hat, v.a. Schüler vor Alkohol und dessen Folgen und Suchtpotenzial zu warnen.

Foto-Frank-MilbichEr begann die Stunde mit der Frage, wer schon einmal einen Schluck Bier oder Sekt getrunken hätte. Dies wurde von jedem bejaht. Seine anschließende Frage, ob jemand bereits so viel Alkohol getrunken hätte, dass er sich übergeben musste oder gar ein Blackout gehabt hätte, wurde von allen negiert. Eine kleine Umfrage ergab, dass alle ein äußerst negatives Bild von Alkoholikern haben und sie sich als aggressiv, schlecht angezogen, stinkend und schweißig bewerten.
Anschließend erzählte Herr Milbich anschaulich vom Leben als Alkoholabhängiger:

Er fing bereits in seiner Jugend nach Handballspielen mit dem Alkoholtrinken an. Das „Normale“, also kontrollierte Trinken von Alkohol war schon bald nicht mehr möglich. Er schafft es, seine Lehre abzuschließen und lernte die Frau kennen, mit der er einen Sohn haben sollte. Heute spricht er selbst von Glück, dass sein 1999 geborener Sohn keine Behinderungen hat, da er ihn sicherlich in einem nicht nüchternen Moment gezeugt habe. Seine Frau arbeitete wieder, weshalb er bis 2002 die Betreuung des Sohnes übernahm. Die morgendliche Abwesenheit seiner Frau gab ihm die Gelegenheit zu trinken. Zuerst trank er 2 kleine Flaschen Jägermeister pro Morgen, später einen Liter(!). In dieser Zeit geschah auch, wie er sagt, sein schlimmstes durch Alkohol verursachtes Erlebnis:

Jeden Morgen ging er bei einem Supermarkt einkaufen (u.a. die Flaschen Jägermeister), anschließend mit seinem Sohn im Kinderwagen spazieren und mittags schliefen sie. Nun geschah es, dass er, betrunken, den Kinderwagen mit seinem Sohn vor dem Supermarkt im Schneetreiben stehen ließ und alleine zu Hause schlief. Als seine damalige Frau ihn als Konsequenz aus der Wohnung herauswerfen wollte, flehte er sie an und schwor, nie wieder Alkohol zu trinken. Diesen Schwur brach er bereits am nächsten Morgen. Sein Verlangen nach Alkohol wuchs, sodass er 2004 3(!) Flaschen hochprozentigen Alkohol (Schnaps, Cognac,…) am Tag trank. Zu dieser Zeit lebte er von Hartz-IV, welches zum Monatsende nicht mehr reichte, weshalb er teilweise aus dem Supermarkt Alkohol klaute und seine Miete nicht bezahlte. Heute spricht er davon, kurz vor der Obdachlosigkeit gestanden zu haben.

Seinen Wandel wurde durch seine Mutter im Dezember 2004 initiiert: Sie „schleifte ihn, bereits betrunken, an den Haaren“ aus seiner Lieblingskneipe und fuhr mit ihm zu seinem Hausarzt, einem alten Freund von ihm. Dieser diagnostizierte eine beginnende Leberzirrhose sowie schwerwiegende Speiseröhrenverätzungen, welche evtl. zu Pankreatitis und somit bei weiterem Alkoholkonsum in dem damaligen Maße vermutlich zum Tod geführt hätten. Die einzige Möglichkeit, dies zu verhindern, wäre ein mehrmonatiger Aufenthalt in einer Entzugsklinik gewesen, welcher aufgrund mehrmonatiger Planung durch die Mutter und den Hausarzt am nächsten Tag hätte beginnen können. Herr Milbich entschied sich dagegen. Trotzdem machte etwas in seinem Kopf „Klick“, als der Arzt ihn darauf aufmerksam machte, welche Folgen sein Tod für das weitere Leben seines Sohnes gehabt hätte.

Am 1. Januar 2005 begann Herr Milbich einen s.g. „kalten Entzug“, also einen Entzug ohne ärztliche Aufsicht, Medikamente und Psychotherapie und aus eigener Kraft. Er schloss sich den gesamten Tag über in seiner Wohnung ein und ging nur abends aus dieser heraus, um an den Treffen der Anonymen Alkoholiker teilzunehmen. Er hatte während dieser Phase mit diversen Entzugserscheinungen wie Tremor, kurzzeitigen Lähmungen und sogar Halluzinationen zu kämpfen. Als sein Motivator diente ihm sein Sohn, von welchem er sich ein Bild in jedes Zimmer hängte. So schaffte er es, trocken zu werden. Auch heute noch besucht er regelmäßig Treffen der Anonymen Alkoholiker.

2010 hat er sich selbstständig gemacht, um Andere, gerade Schüler, vor den Folgen des Alkohols zu warnen und hält dazu Vorträge in ganz Baden-Württemberg.

Zum Schluss bleibt ein positives Bild von Herrn Milbichs Alkoholpräventionsstunde, was v.a. dadurch begründet wird, dass seine Erzählung deutlich tiefgründiger und anschaulicher als das Thema im Biologie-Unterricht war.

Julian Schulz, Klasse 8a

 

Die folgenden Nachrichten haben Schüler aus 8a und 8b ins Gästebuch auf Herrn Milbichs Internetseite geschrieben: 

Lieber Herr Milbich,

in meinen Augen sind sie ein Held der großes in seinem Leben geleistet hat und gekämpft hat. 
Ihr Vortrag heute am HoBa war sehr toll und hat mich mitgenommen.


Bleiben Sie so wie Sie sind: trocken; nett und sympathisch.

Danke für den tollen Vortrag.


Herzlichst

Felix Hördt, Klasse 8a

 

Sehr geehrter Herr Milbich,


auch wir aus der Klasse 8b des Gymnasium Hohenbaden wollen ihnen gerne noch ein paar Worte mit auf den Weg geben: 
Als erstes danken wir ihnen für ihre ehrliche und direkte Art, die wahrscheinlich jedem von uns etwas mit auf den Weg gegeben hat. Und durch ihr Kommen wissen wir jetzt wahrscheinlich alle, was für Gefahren der Alkohol birgt und sind in der Hinsicht zumindest aufgeklärt. Danke, dass sie sich die Zeit genommen haben nach Baden-Baden an das Gymnasium Hohenbaden zu kommen um uns von ihren Erfahrungen zu berichten!!!


Herzliche Grüße

Lorenz Straß und Julian Ernst, Klasse 8b