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(3) Auf welche Arten kann ich zitieren?

Um die verschiedenen Zitierweisen zu erlernen, schauen wir zunächst einmal wieder ins Mittelalter. Du hast sicher in der 7. Klasse bereits vom Frankenkönig Karl dem Großen gehört. Aber kennst Du auch bereits seinen persönlichen Biografen?

Wie viele heutige bekannte Persönlichkeiten hat auch Karl der Große sein Leben durch seinen Hofbiografen Einhard1) in der sogenannten Vita Karoli Magni2) aufschreiben lassen. Dieses Werk ist uns bis heute überliefert und gewährt spannende Einblicke in das Leben des ersten Kaisers seit der Antike.

Nun möchte nicht jeder diese Vita lesen, um etwas über das Leben Karls des Großen zu erfahren. Der Verlag C.H.Beck veröffentlicht in seiner Reihe „Beck Wissen“ tolle Überblickswerke - kurz, knapp und prägnant. Einer der Autoren ist der Bonner Historiker Prof. Dr. Matthias Becher, der ein sehr lehrreiches Buch über Karl den Großen3) veröffentlicht hat.

Jetzt beginnt für uns, die ja das Zitierhandwerk erlernen wollen, eine spannende Lektion. Herr Prof. Dr. Becher möchte nun die Vita Karoli Magni, also eine Primärquelle, benutzen. Schauen wir uns einmal an, auf welche verschiedenen Weisen er dies tut!

Wörtliche Zitate

Möglichkeit 1 (aus dem Buch von Herrn Professor Dr. Becher, Seite 9):
Die Vorliebe für gutes Essen muss sehr eindrücklich gewesen sein, denn Einhard betonte auch an anderer Stelle den Appetit des Kaisers: „Im Essen jedoch konnte er nicht so enthaltsam sein, vielmehr klagte er häufig, das Fasten schade seinem Körper.“
Möglichkeit 2 (aus dem Buch von Herrn Professor Dr. Becher, Seite 7):
Karl habe etwa „alle Herrscher seiner Zeit an Weisheit und Seelengröße“ überragt.

Beide Sätze, die Herr Prof. Dr. Becher verwendet hat, sind aus der Biographie Karls des Großen, wie Einhard sie aufgeschrieben hat. Konntest Du den Unterschied sehen?

In Möglichkeit 1 hat Herr Prof. Dr. Becher einen einleitenden Satz verfasst, dann Doppelpunkte gesetzt und anschließend den Satz aus der Biographie direkt - in Anführungszeichen - in seinem Text verwendet. Er hat den Text also quasi umrahmt.

In Möglichkeit 2 hat Herr Prof. Dr. Becher eine Aussage aus der Karlsbiographie, eingeschlossen von Anführungszeichen, in seinen Text eingebettet.

Wir haben nun also bereits zwei Möglichkeiten, ein Zitat zu verwenden: Entweder wir fügen den Originalsatz direkt in unseren Text ein, oder wir passen ihn an einen unserer Sätze an.

In diesem Falle schreibt Prof. Dr. Becher, dass Karl alle Herrscher überragt habe. Kennst Du diesen grammatikalischen Modus? Richtig, es ist ein Konjunktiv. Wir lernen also:

Wenn wir Zitate in unseren Fließtext einbetten, verwenden wir im einleitenden Text stets den Konjunktiv.

Indirekte Zitate

Möglichkeit 3 (aus dem Buch von Herrn Professor Dr. Becher, Seite 7).
Seine Ausführungen über das Privat- und Familienleben des Kaisers leitete Einhard mit einem Verweis auf dessen Beständigkeit in Glück und Unglück ein. Die Feindschaft der byzantinischen Kaiser habe er ebenfalls mit großer Geduld und Seelengröße ertragen.

Was ist nun der Unterschied? Nun, Du siehst keine Anführungszeichen - das Gesagte kann also nicht direkt aus der Karlsvita stammen. Das heißt also, dass Prof. Dr. Becher Informationen aus der Karlsbiographie verwendet und in seinen eigenen Worten wiedergegeben hat. Wiederum gibt er aber fair an, woraus er diese Informationen erhalten hat - und behauptet nicht, dass es seine eigenen Gedanken seien. Und wieder benutzt er dazu den Konjunktiv.

Du hast nun also gelernt:
  1. Es gibt grundlegend zwei unterschiedliche Arten, zu zitieren: Wörtliche Zitate und indirekte Zitate.
  2. Bei den wörtlichen Zitaten kann man den Originalsatz aus dem Buch entweder mithilfe des Konjunktives und Anführungszeichen in den Satz einbetten oder durch Doppelpunkt von der eigenen Formulierung abgrenzen.
  3. Bei indirekten Zitaten formuliert man das Gelernte aus dem Buch um, gibt den Originalautor an und verwendet ebenfalls den Konjunktiv.
Aufgabe:
Suche Dir einmal ein Buch, das Du interessant findest. Schreibe einen kurzen Text, in dem Du Informationen aus diesem Buch verwendest, und versuche, auf die drei oben genannten Weisen zu zitieren.

Besonderheiten beim Zitieren

(1) Auslassungen

Vergleiche nun einmal die beiden Auszüge aus den jeweiligen Werken:

Hier das Original aus der Vita Karoli Magni:
Reich und überströmend floss ihm die Rede vom Munde, und was er wollte, konnte er leicht und klar ausdrücken. Es genügte ihm jedoch nicht in seiner Muttersprache, sondern er widmete sich auch der Erlernung fremder Sprachen: darunter brachte er es im Lateinischen so weit, dass er es wie seine Muttersprache redete, das Griechische aber konnte er besser verstehen als selber sprechen. Er war so beredt, dass er sogar geschwätzig erscheinen konnte. Die edlen Wissenschaften pflegte er mit großer Liebe, die Meister in denselben schätzte er ungemein und erwies ihnen hohe Ehren.

Und nun die Variante von Prof. Dr. Becher:

Und nun die Variante von Prof. Dr. Becher:
Auch andere persönliche Züge läßt Einhard aufscheinen, so etwa eine gewisse Redseligkeit: „Reich und überströmend floss ihm die Rede vom Munde, und was er wollte, konnte er leicht und klar ausdrücken. […] Er war so beredt, dass er sogar geschwätzig erscheinen konnte.“

In der Vita Karoli Magni geht es um viele verschiedene Aspekte, so zum Beispiel der Beredsamkeit Karls des Großen, seinem Interesse an fremden Sprachen, seiner Kenntnis des Lateinischen sowie des Griechischen und um sein Interesse an den Wissenschaften. Prof. Dr. Becher möchte aber nicht all diese Informationen verwenden, da es ihm vor vor allen Dingen auf die Redseligkeit Karls des Großen ankommt.

Deswegen hat er den Text um all die Formulierungen gekürzt, die er für seine Argumentation nicht benötigt - und damit man diese Kürzung auch sieht, zwei eckige Klammern mit Auslassungszeichen gesetzt […]. Dies ist eine gute Möglichkeit, auf den Punkt zu kommen und nur das in den Text aufzunehmen, was auch wirklich wichtig für die eigene Fragestellung ist.

(2) Einschiebungen

Was aber, wenn der Satz aus der ursprünglichen Quelle grammatikalisch nicht in den eigenen Text passt?

Der Satz aus der Originalvita:
… mit weitaus weniger Fassung ertrug, als man bei der bewundernswerten Größe seines Geistes erwartet hätte.
Und bei Prof. Dr. Becher:
Karl habe den Tod seiner Söhne und einer Tochter „mit weitaus weniger Fassung [ertragen], als man bei der bewundernswerten Größe seines Geistes erwartet hätte.“

Wie wir sehen können, ist in der Originalfassung ein Wort („ertrug“), das grammatikalisch nicht in den Fließtext hinein gepasst hätte. Prof. Dr. Becher hat nun das Wort grammatikalisch abgeändert und dieses eine Wort in eckige Klammern gestellt, sodass man sieht, dass er dieses Wort nicht in dieser Form aus dem Text entnommen hat.

Zusammenfassung

Alles klar? Eigentlich ist es auch gar nicht so schwierig, wenn man folgende Grundregeln beachtet:

  • Beim Einbetten von Zitaten benutzt man beim umrahmenden Text den Konjunktiv.
  • Auch wenn man Inhalte aus einem Text in seinen eigenen Worten wiedergibt, muss man den Urheber nennen und den Konjunktiv verwenden.
  • Ist das Zitat aus dem Buch inhaltlich zu ausführlich oder thematisch zu vielfältig, so ist es möglich und sinnvoll, die entsprechenden Stellen zu kürzen und diese durch runde Klammern zu kennzeichnen.
  • Paßt ein Wort aus dem Original grammatikalisch nicht in den Zielsatz hinein, so kann man das Wort anpassen und mit einer runden Klammer kennzeichnen.

Wie findest Du nun heraus, welche Quellen der Autor eines Textes verwendet hat? Das lernen wir auf der nächsten Seite

Seite 4 | Die "Spielregeln": Zitieren leicht gemacht

1)
Unbekannt: Einhard in den Grandes Chroniques de France. URL http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/72/Einhard.jpg, Stand: 14.06.2014.
2)
Übersetzung z.B. bei RAU, Reinhold: Quellen zur karolingischen Reichsgeschichte - Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe 5. Bd. 1. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1955.
3)
BECHER, Matthias: Karl der Große. München: Beck, 1999.
methoden/zitieren_1/zitieren_1_03.txt · Zuletzt geändert: 2018/09/25 10:57 von herr-stritt