„Es gibt nichts Neues unter der Sonne“ – Die Regional- und Schulgeschichtsreihe am Hoba ging in die zweite Runde

Am vergangenen Donnerstag stürzte sich Reinhard Bode, Latein- und Griechischlehrer des Gymnasiums Hohenbaden, mit seinen vierzig Zuhörern zwischen zehn und 88 Jahren in ein neues Abenteuer: Eine Reise durch längst vergangene Zeiten, in der das Leben und die Schule noch ganz anders aussahen. Meint man. Denn einige vermeintlich moderne Innovationen haben Vorläufer in der Vergangenheit. So das Silbenschwingen zum Lesen- und Schreibenlernen und die 1953 offiziell gegründete SMV.

Auch Bildungsreformen gab es schon zu Karolinger-Zeiten. Diese wurden zwar noch nicht von PISA-Studien angestoßen, sondern vom „verwilderten“ Latein der Priester, aber sie führten zur Gründung neuer Kloster- und Stiftsschulen, zu denen später auch städtische Schulen hinzukamen. Hier wurden vor allem Geistliche auf das Studium an der Universität vorbereitet. Eine solche Schule war das Kollegiatstift in Baden-Baden, von dessen Existenz nur noch eine Urkunde von 1453 mit Anweisungen an den Lehrer Zeugnis ablegt. Über den Unterrichtshergang weiß man jedoch Bescheid: Beim Lesen- und Schreibenlernen wurden ähnliche Methoden eingesetzt wie heute. Und auch beim Lateinlernen kam schon damals das heute viel beschworene Prinzip des einsprachigen Fremdsprachenunterrichts zum Einsatz. Wer statt Latein Deutsch sprach, der „eselte“ und musste den Tag über mit einer Eselsmütze herumlaufen. So blieb Latein bis ins 15. Jahrhundert eine lebendige Sprache, die sich ständig veränderte. Die Humanisten setzten dem ein Ende, indem sie Cicero zum Stilideal erhoben. Sie schufen allerdings auch wunderbare Werke in Text und Bild. Davon zeugt der größte Schatz der Hoba-Bibliothek, der auf den ersten Blick wie „Klopapier“ aussieht, aber Ciceros Somnium Scipionis, einen Kommentar hierzu und handkolorierte Holzschnitte von Holbein, einem der bedeutendsten Renaissance-Künstler, enthält.

Auch die nächste Bildungsoffensive, über die Herr Bode berichtete, hatte einen religiösen Hintergrund: die Reformation. Luther forderte die protestantischen Landesherren zur Gründung von Schulen auf. Die Katholiken zogen mit der Gründung der Jesuiten als Schulorden nach. Anekdotenreich zeichnete Herr Bode die parallele Entwicklung des protestantischen Pforzheim und des rekatholisierten Baden-Baden nach. An beiden Orten entwickelte sich zunehmend kompetentes Personal und die Lektüren wurden zumindest in Teilen an das Alter der Schüler angepasst. Den beim Vortrag anwesenden Zehntklässlern stand das Stauen ins Gesicht geschrieben, als sie hörten, dass die Lektüren, die sie im Moment lesen, damals in der untersten Klasse behandelt wurden und die Schüler in ihrem eigenen Alter damals selbst lateinische Prosa und Dichtung verfassten. Auch der momentane Schulbeginn um 7:45 erschien den Schülerinnen und Schülern im Vergleich zu 5:00 oder 6:00 morgens doch angenehm. Erst recht erschreckte sie der Gebrauch der Rute bei „Unfleiß“. Die Zuhörer konnten aufgrund anschaulicher Schulbücher, die Schüler vor Jahrhunderten in langweiligen Stunden „illustriert“ hatten, mit ihnen mitfühlen. Sie bewunderten ebenfalls die Kreativität der Schüler, ohne WhatsApp & Co. durch Bücherweitergabe während des Unterrichts Verabredungen zu planen. Neben dem für die Jesuiten damals und für das Hoba noch heute wichtigen lateinischen Schultheater zeigte Herr Bode eine weitere schulische Konstante in der Verzweiflung der Lehrer, die sich in Klassenbucheinträgen offenbarte.

Von der Jesuitenschule zur ersten Reformpädagogik in einer frühen „integrierten Gesamtschule“ für Katholiken und Protestanten tat Herr Bode mit seinem gespannten Publikum die letzten Schritte zu den Wurzeln der Kompetenzorientierung im 19. Jahrhundert an. Karl Gruber, der Schulleiter der höheren Bürgerschule, verkündete Mitte dieses Jahrhunderts bereits, nicht der Stoff, sondern die Art der Aneignung sei wichtig. Auch die Vorläufer der SMV, sogenannte „Schüler-Obmänner“ wurden um diese Zeit erstmals gewählt.

Viele der Bücherschätze konnten im Anschluss an den Vortrag in die Hand und in Augenschein genommen werden. Eine äußerst seltene Begegnung mit so alten Quellen.

Zum nächsten Vortrag mit dem Thema: „Thassilo von Scheffer und Selma Stern – zwei Hoba-Schüler im späten Kaiserreich“ lädt das Gymnasium Hohenbaden alle Interessierten am Do. 23.01.2020 um 19 Uhr in seine Aula ein.

Kristin Breitsch

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