Weltkrieg, Revolution, Republik: Das Hoba in stürmischen Zeiten (1914 – 1933)

Dr. Mark Willock, Redakteur für Geschichte beim SWR und engagierter Vater eines Hoba-Schülers, tauchte mit seinen Zuhörern am 13.02.20 in die stürmische Zeit zwischen 1914 und 1933 ein: in Kriegsbegeisterung und Kriegselend, bürgerkriegsähnliche Umstürze, Wirtschaftskrise und Aufkommen des Faschismus der Nationalsozialisten.

Zum Ausgangspunkt nahm er den Schlussakt des Schuljahres 1914, der zugleich den Schlussakt der Epoche vor dem 1. Weltkrieg markierte: Am ersten Tag der Sommerferien nämlich erklärte das Deutsche Kaiserreich Russland den Krieg und machte mobil. Voll „hingebungsvoller Opferbereitschaft“ tauschten Schüler und Lehrer des Hoba ihre „Bücher gegen Waffen“, um das Vaterland gegen den Angriff von „rachsüchtigen, neidischen Nachbarn“ zu verteidigen. Von der ersten Kriegsbegeisterung berauscht meldeten sich elf der fünfzehn Abiturienten und sechs Schüler der Unter- und Oberprima sowie sieben Lehrer schon 1914 freiwillig. Die Hälfte dieser vierundzwanzig Männer kehrte nie zurück. Eindrücklich schilderte Willock, wie am Gymnasium Hohenbaden im zur Lazarett-Stadt umfunktionierten Baden-Baden patriotische Feierlichkeiten stattfanden und Schüler Rekordsummen für die Kriegsanleihen sammelten oder im Dienste der Kommune, der Feuerwehr und des Roten Kreuzes tätig wurden, während 54 ihrer ehemaligen Mitschüler und Lehrer auf den Schlachtfeldern des Stellungskriegs starben. Doch auch in der Schule zeigt sich das Schreckensgesicht des Krieges in Form von Fliegeralarm (mit eigenem Klingelzeichen) und Seuchen (Pocken und „Spanische Grippe“), aufgrund derer die Schule wochenlang geschlossen blieb.

Die unruhigen Jahre nach Kriegsende, in denen um die Form der Republik gerungen wurde, die das Kaiserreich ablösen würde, illustrierte der Historiker am Beispiel Robert von Klübers. Dieser war Abiturient des Jahrganges 1891 am Hoba und hatte 1919 eine steile Armeekarriere mit vielen Ehren und Auszeichnungen hinter sich. Als Verbindungsoffizier der Reichsregierung wurde er in Halle an der Saale stationiert, wo ein heftiger Konflikt zwischen Arbeitern und Bürgern tobte. Im Zuge der Kampfhandlungen wurde von Klüber, der in Zivil auf einem Erkundungsgang unterwegs war, erkannt und grausam ermordet. Damals verursachte sein Tod einen Aufschrei in der Öffentlichkeit, heute kann dieser als Symbol für die Tragik der Situation in der deutschen Nation gedeutet werden. Neben einer nach von Klüber benannten Straße in Berlin-Steglitz-Zehlendorf und einem Grabstein auf dem Invalidenfriedhof in Berlin erinnert auch eine Gedenktafel am Hoba an ihn.

In einer Republik musste sich natürlich auch im Schulalltag einiges ändern: So galt es, die alten Herrschaftszeichen zu entfernen. Daher wurden die Bilder des Großherzogs Friedrich auf den Speicher des Hoba verbannt. Außerdem entstand eine Schülerselbstverwaltung – unter Billigung der Direktion und des Kollegiums, aber unter Protest einiger Eltern, die von diesen neuen demokratischen Strukturen gar nichts hielten. Ab 1920, dem Jubiläumsjahr zum fünfzigjährigen Bestehen der Schule, aber war die Schülerselbstverantwortung – mit eng umrissenem Verantwortungsbereich – ein fester Bestandteil des Schullebens. Und obendrein wurde ein Elternbeirat eingerichtet! An der Bedeutung der patriotischen Feiern in der Schulgemeinschaft (u.a. für die Reichsgründung) änderte sich jedoch auch im Gymnasium einer Republik nur insofern etwas, als dass man nun die Verfassung und den Geburtstag des Reichspräsidenten zum Anlass nahm. Das Festhalten an Kaiserreich und „alter Größe“ zeigt sich auch im Lehrplan für Geographie, der festlegte, man solle das Reichsgebiet in den neuen sowie den alten Grenzen und Österreich-Ungarn zugleich mit Deutschland behandeln.

Eindrucksvoll zeigte Willock auch die Auswirkungen der Weltwirtschafskrise auf das Schulleben anhand des Hausmeistergehalts in Milliardenhöhe und der Überlegung, die Hefte in unteren Klassen durch Schiefertafeln zu ersetzen.

Neben der Verbindung der Schulgeschichte mit der Geschichte der Republik wusste Willock auch einiges Skurriles aus dem alltäglichen Schulleben in der Weimarer Republik zu erzählen: So zeigte er die noch heute aktuelle Empfehlung des Direktors, nicht unnötig Schulbücher schleppen zu lassen. Er berichtete von der Fastnachtsfeier und der Handballmannschaft des Hoba sowie von Elternbeschwerden über die Verwirrung der Kinder im Mathematikunterricht, die fehlende Autorität von Prof. Steinhart und über zu wenige Ausflüge. Besonders interessant war das Disziplinarverfahren gegen Professor K., der Fehler in den Klausuren seines Sohnes und seiner Nachhilfeschüler tilgte und – noch schlimmer – in anderen Arbeiten Fehler hinzufügte, damit der Sohnemann der Klassenprimus bleibe!

Schließlich betrachtete Willock die Zeichen des Niedergangs der Weimarer Republik in Baden und die negativen Konsequenzen, die sich aus der „Machtergreifung“ Hitlers für das Gymnasium Hohenbaden ergaben: Der Elternbeirat wurde aufgelöst. Der jüdische Lehrer Flehinger war gezwungen, „Urlaub“ zu nehmen. Jüdische Schüler durften nur noch im Verhältnis von 1,5% zur Gesamtschülerschaft aufgenommen werden und eine Verordnung gegen Misshandlung von Mitschülern aus Rassegründen weist darauf hin, dass solche Angriffe wohl vorkamen, sie andererseits am Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft noch nicht kritiklos geduldet wurden.

Der folgende Vortrag findet am 12. März statt. Die Historikerin Astrid Kuck stellt eine Lehrerpersönlichkeit des Gymnasiums Hohenbaden in den Mittelpunkt, Julius Stern. In seiner Biographie bildet sich in erschütternder Weise die Zeitgeschichte ab. Julius Stern war Jude, Philologe und viele Jahre Lehrer am Hoba, eine prägende Persönlichkeit im Kulturleben der Stadt.

Für den 22. August 1942 wurde eine große Deportation von Juden aus Baden und Württemberg angesetzt. Die betroffenen Menschen – es waren vor allem Alte, Kranke, Kriegsbeschädigte oder Träger hoher militärischer Auszeichnungen aus dem Ersten Weltkrieg – erhielten kurz vor dem Termin ein Schreiben, welches sie für den sogenannten „Abwanderungstransport“ bestimmte. Auch die Berta und Julius Stern waren dieses Mal auf der Liste für Baden-Baden verzeichnet. (Mit Kreuz hinter den Namen.)

Was in den beiden vorging, wissen wir nicht. Wann und wie sie den Entschluss fassten, ihrem Leben ein Ende zu setzen, ebenfalls nicht. Fakt ist, dass sie am 17. August 1942 gemeinsam in den Tod gingen. Die Sterbeurkunden kann man im Stadtarchiv Baden-Baden einsehen.

Kristin Breitsch

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