Medeas blutige Rache

Über die Ausstellung „Medeas Liebe“ im Liebieghaus in Frankfurt

Betritt man die Ausstellung und beginnt sich mit der Geschichte Medeas zu beschäftigen, taucht man ein in eine andere Welt. Die Ausstellungsstücke des Museums erzählen eine Geschichte, die eine gute Vorlage für ein modernes Drama sein könnte. Vasen, Statuen und Schmuck zeigen die Facetten der berühmten Tragödie „Medea“ von Euripides und noch viel mehr: Familienintrigen, Dramen, Mord und Totschlag und natürlich auch einen Hauch Romantik.

Die Geschichte der Ausstellung beginnt wie viele der berühmten Märchen der Gebrüder Grimm: „Es war einmal eine böse Stiefmutter…“. Schnell folgen die ersten Morde und eine abenteuerliche Reise beginnt: Die Jagd nach dem goldenen Vließ. Jason und seine Kameraden müssen sich einigen Herausforderungen stellen. Eine dieser Herausforderungen stellt den Höhepunkt der Ausstellung im Liebieghaus dar. Ein atemberaubender Boxkampf zwischen Amykos und Polydeukes. Lebensgroße Bronzestatuen und der auf die Wand übertragene Dialog der Kämpfenden veranschaulichen den Kampf der beiden eindrucksvoll.

Polydeukes gewinnt den Kampf und Jason und seine Kameraden können die Reise fortsetzen, bis Jason auf Medea trifft. Diese wurde von einem Liebespfeil getroffen und verliebt sich unsterblich in Jason, was dem bisherigen Abenteuer einen Touch Romantik verleiht. Gemeinsam finden sie das goldene Vließ, heiraten und bekommen zwei Söhne. Ein vorläufiges Happy End, doch hier ist die Ausstellung noch lange nicht vorbei. Jason trennt sich schließlich von Medea, um eine jüngere Frau zu heiraten. Doch wie so oft geht es nicht nur um das Alter, sondern auch um Macht. Jason heiratet eine Prinzessin. Dies ist ebenfalls auf einigen Vasen festgehalten, die im Museum zu bestaunen sind.

Medea ist über die Hochzeit wenig erfreut und so kommt es zu ihrer blutigen Rache. Sie tötet ihre Nebenbuhlerin und ihre eigenen Kinder. Was mit Jason passiert bleibt offen. Die Ausstellung endet mit diesen grausamen Morden, um deren Ringen Euripides seine Tragödie inszeniert.

Betrachtet man diesen Mythos aus einer anderen Perspektive, so wird schnell klar, dass nicht alles erfunden ist. Die Ausstellung stellt eine Ergänzung zu der bekannten Tragödie dar. Die komplette Vorgeschichte wird erklärt und mit einigen Exponaten veranschaulicht. Ein lohnender Ausflug in eine andere Welt, der aber hätte noch intensiver sein können. Denn die Führung, die unter dem Motto „Zwischen Mythos und Wahrheit“ stand, erklärte allein, warum Kolchis zum Ziel für die Suche nach dem goldenen Vließ wurde. Gold wurde mit Hilfe von Fellen aus den Flüssen gewaschen. Warum aber Euripides diesen Mythos seinem Athener Publikum ausgerechnet im Jahr 431 v. Chr. präsentierte, blieb offen.

 

Tabea Rauchfuß (Klasse 10a)

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