Malerei und Architektur in Karlsruhe

Welche Relevanz haben barocke Stillleben für unsere heutige Zeit? In welchem Kontext sind sie entstanden und wie lassen sich daraus Erkenntnisse für die Rezipienten ableiten? Diese und viel mehr Fragen stellten sich die beiden Abitur-Leistungskurse in Kooperation der Lehrkräfte beider Schulen vor den Originalwerken in der Kunsthalle Karlsruhe, die derzeit als Außenstelle Teile des ZKM in Karlsruhe bezieht. Der historische Hintergrund wurde hergestellt und die dadurch geprägten Werte der Zeit in der symbolischen Ausgestaltung des Kunstwerks als artifiziell Geschaffenes erkannt. Neugierig wurde auch die virtuelle Malweise betrachtet, mithilfe derer faszinierende ikonische Umsetzungen der Realität erzielt wurden. Vom mittelalterlichen Ursprung des Stillleben-Interieurs bis zum spätbarocken Prunkstillleben wurde ein Bogen über die Zeit gespannt, um einen umfassenden Überblick zu erlangen und letztlich die von Jean-Simeon Chardin geschaffenen „Nature morte“-Darstellungen, welche stilgeschichtlich später generiert wurden, auf Cézannes Entmaterialisierung der Oberflächen zu beziehen.

Nächste Station war das ZKM, Fakultäten Kunstgeschichte und Architektur, die anhand zweier extra auf die Schüler*innen zugeschnittener Vorlesungen über Inhalte und Modalitäten beider Studiengänge aufgeklärten. Eindrucksvoll bot Prof. Dr. Jehle einen Einblick in die theoretischen Arbeitsfelder der wissenschaftlichen Untersuchung von Kunstwerken und band die Lernenden aktiv mit ein. Hier konnten die Kurse zeigen, wie sie selbst geübt haben, wertfrei an Unbekanntes heranzutreten, aber auch Kontextwissen einzubeziehen. Prof. Dr. Jehle zeigte auf, welche Relevanz das Studium und der Beruf des Kunsthistorikers in und für unsere heutige Gesellschaft hat, sodass der ein oder andere sicherlich eine Erkenntnis für die spätere Berufsentscheidung mitgenommen hat. Anschließend zeigte die Architektin Lisa Schneider exemplarisch ihren Werdegang von der Studentin, über die lehrende Tätigkeit an der Universität bis zur Selbstständigkeit auf. Der oft anstrengende, aber auch erfüllende Arbeitsalltag einer Architektin wurde deutlich gemacht, wodurch die Schüler*innen ihre Vorstellungen mit der Realität abgleichen konnten. Frau Schneider hob eigene Projekte hervor und veranschaulichte praxisnah, was es bedeutet, an Wettbewerben teilzunehmen und eigene Baustellen zu leiten. Mit völlig neuem Input gingen die Kunstkurse aus diesen beiden informativen und sehr sympathischen Vorträgen heraus und wurden von Studierenden der Kunstgeschichte und Architektur in Empfang genommen. Anschließend wurde die Gruppe durch die zugehörigen Werkstätten und zum „Studio“, in welchem die Architekturstudenten ihre Aufgaben erledigen, geführt. Somit konnte ein Einblick in den Alltag und vor allem das Umfeld der Student*innen gegeben werden. Hierbei war es auch jederzeit möglich, Fragen zu stellen. Wie lange dauert es, ein Modell zu bauen? Woher nehme ich Theoriematerial? Wie sieht eine Aufgabe aus? Wo arbeite ich? Nach deren Beantwortung und dem Rundgang verabschiedeten sich Hoba und MLG und fuhren mit der Straßenbahn gen Süden.

An der Dammerstock-Siedlung im Stadtteil Rüppur angekommen, wurde die Gruppe von einer ehemaligen Architektin begrüßt, die früher selbst in einem Architektenbüro in der Siedlung gearbeitet hatte. Sie führte alle zum Eingangspavillon der damaligen Ausstellung des „Neuen Bauens“ und erkläre anhand von Originalfotografien und Modellen, welches Konzept der Planung zugrunde lag. Eine historische Einordnung und Erläuterung baulicher Reaktionen auf wirtschaftliche und politische Veränderungen kontextualisierte das Gesehene. Alle wurden durch die Siedlung geführt und bezogen auf bauliche Charakteristika konnte das Revolutionäre dieser Form des effizienten Bauens nach dem Prinzip von „form follows function“ verdeutlicht werden. In diesem Sinne wurden allen Lernenden die Augen geöffnet, da die z.T. noch im Originalzustand befindlichen Bauwerke immer noch zeitgenössisch wirken.

Schließlich verabschiedeten wir uns auch hier und brachen gen Hauptbahnhof auf, um auf dem Heimweg einen sicherlich anstrengenden, aber lehrreichen, unterhaltsamen und vor allem nachhaltigen Bildungstag Revue passieren zu lassen.

Die direkte Bitte um einen weiteren gemeinsamen Exkursionstag mit den Kursen beider Schulen zeigte auch im Nachgespräch die Vorteile der interinstitutionellen Kooperation und das Bedürfnis nach Erlebnis von Kunst und Architektur.

Christoph Heimbach, Januar 2024

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Fanny Ben-Ami, geboren 1930 in Baden-Baden, kam anlässlich des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus extra aus Israel angereist, um Schülerinnen und Schüler verschiedener Baden-Badener Schulen ihre beeindruckende Lebensgeschichte zu erzählen. Auch die beiden zehnten Klassen sowie Schülerinnen und Schüler der 12. Klasse des Gymnasiums Hohenbaden waren im Kurhaus.

Bereits 1933 flüchtete die Familie nach Frankreich, wo sie nach der deutschen Besatzung mit ihren beiden jüngeren Schwestern Erika und Georgette in einem Kinderheim untergebracht wurde. In Frankreich arbeitete Fanny für die Résistance und konnte über 150 Partisanen das Leben retten, indem sie vor dem Verrat durch den örtlichen Bäcker warnte. Als es in Frankreich nicht mehr sicher war, flohen mehrere Kinder mit Hilfe der OSE (Œuvre de secours aux enfants) unter Fannys Führung in die Schweiz. Ein Schuss streifte im Niemandsland ihr Ohr, als sie noch einmal um- kehrte, um auch die hinter der Grenze zurückgebliebene dreijährige Rachel in Sicherheit zu bringen. Nach dem Krieg wanderte Fanny nach Israel aus. Ihre Erfahrungen hat die Autorin und Künstlerin in Bildern niedergemalt.

Diese Bilder strukturierten und veranschaulichten auch das im vollen Kursaal geführte Zeitzeugengespräch. Am Ende durften unter anderem drei Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Hohenbaden auf die Bühne kommen und Fragen an Fanny Ben-Ami stellen. Der Zehntklässler Cedrik Dohm erkundigte sich, wie Fanny Ben-Ami vom Tod ihrer Eltern erfahren habe – 1947 durch das Rote Kreuz. Wie sie später mit ihrem Schicksal umgegangen sei, fragte der Abiturient Fabian Engl und Liv Bielefeldt aus der 10b wollte wissen, was wir heute tun können, um das Geschehene nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Fanny Ben-Ami gab daraufhin den Baden-Badener Schülerinnen und Schülern mit auf den Weg, einander zu helfen, sich gegenseitig zu respektieren und immer zusammenzuhalten.

Text: Silja Minet-Lasch

Fotos: Jan-Olaf Kaiser

IMG 20240119 181044Hocherfreut zeigte sich Schulleiter Martin Müller, als er eine vollbesetzte Aula zum Kammermusikabend am 19. Januar 2024 begrüßen konnte. Zahlreiche Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Hohenbaden hatten sich eingefunden, um einem interessierten Publikum Ausschnitte aus ihren derzeitigen Programmen und aus dem Musikunterricht zu präsentieren. Musiklehrerin Clara Hildebrandt erinnerte in ihrer Begrüßung daran, dass bereits vor vier Jahren mit diesem Konzertformat ein Auftakt erfolgt war, der dann durch die Corona-Pandemie unterbrochen wurde und jetzt zum Glück wieder einen Anknüpfungspunkt findet. 

Den Auftakt machte Aurika Radimersky (Klasse 5) am Cello mit einer Bourée (G. H. Stölzel) und „Latin Nights“ (Kathy & David Blackwell), die sie solistisch am Cello aufführte und bravourös meisterte. Auch Mathilda Drücker (Klasse 5) unterstrich Können mit Selbstbewusstsein, als sie, am Klavier von Musiklehrer Achim Fessler begleitet, von Lotte den aktuellen Pop-Song „Mehr davon“ präsentierte. Amien Redzepagik (Klasse 7a) spielte daraufhin am Klavier aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ das von Yann Tiersens schon als Filmmusik-Klassiker bekannte Stück „Comptine d’un autre été: l’aprés-midi“ mit großer Sicherheit und Einfühlungsvermögen. In einem Arrangement Clara Hildebrandts trug die Klasse 7b als gemischt besetztes Klassenorchester Edward Griegs „Morgenstimmung“ vor und bewies dabei, dass sie nicht nur klangschön und differenziert musizieren können, sondern sogar ohne Dirigentin auskommen. 

Mit Liv Bielfeldts (Klasse 10b) Horn-Vortrag begannen die Vorträge der älteren SchülerInnen der Schule. Franz Strauss’ „Nocturno“ fordert oftmals einen langen Atem, um die vielen Haltetöne adäquat auszuführen und ein großes Bewusstsein für Melodiebildungen. Beides gelang Liv wie mühelos und sie beeindruckte das Publikum damit, dass es ihr auch im Moment des Vorspiels möglich war, die nötige Ruhe dafür zu bewahren. Ein Highlight der Wiener Klassik erlebten die Zuhörerinnen und Zuhörer dann, als Immanuel Erlich (Klasse 9) den 1. Satz von Ludwig van Beethovens Klaviersonate op. 27, Nr. 2 (besser bekannt als „Mondscheinsonate“) zu Gehör brachte. Ihm gelang es wunderbar, die beruhigende Atmosphäre des Werkes in den Raum zu übertragen. Einfühlsam blieb es auch, als das Klassenorchester der Klasse 9 mit George Gershwins „Summertime“ auf sich aufmerksam machte – ein Sehnsuchtsmoment an wärmere Tage stellte sich ein. Dabei gelangen der Klasse sowohl die klangliche wie die präzise rhythmische Ausführung ganz ausgezeichnet. Auffällig war bei beiden Klassenorchester-Darbietungen dieses Abends, dass auch die VKL-SchülerInnen integriert werden konnten und maßgeblich zum Gelingen beitrugen. 

Danach hielt Sergej Rachmaninow – im letzten Jahr weltweit im Rahmen seines 150. Geburtstages gefeiert – mit seinem akkordreichen, mit schwierigen Sprüngen und virtuosem Mittelteil versehenen Prélude in cis-Moll, op.3, no.2 Einzug in die Aula, als sich Albert Wolf (Klasse 10b) an den Flügel setzte und das Werk auswendig und jedes Kliff der Schwierigkeiten meisternd vortrug. 

Wie ein Gespräch im warmen Kaminzimmer mutete es an, als im Anschluss Romy Schmidt am Cello mit ihrem Klavierpartner in den Dialog trat, bei dem es um Felix Mendelssohn-Bartholdys „Lied ohne Worte, op. 109“ und die Sérénade von Gaspar Cassadó ging. Wie eng man sich musikalisch in ausdrucksstarken (und intonatorisch tadellosen) musikalischen Gestaltungen verbinden kann, war durch diese beiden Musiker besonders beeindruckend zu erleben. 

„Kann es ein passenderes Entlassen in den Abend geben als mit Robert Schumanns ‚Träumerei‘?“, fragte Clara Hildebrandt bei der Verabschiedung rhetorisch, nachdem Fabian Engl (Kursstufe 2) das Kammermusikonzert mit diesem wohlbekannten Werk empathisch zum Abschluss brachte. 

Der dankbare Applaus der Zuhörenden für alle auftretenden Schülerinnen und Schüler hatte die Frage zuvor schon vielfach beantwortet und so endete eine werk- und farbenreiche Soirée, die manch bewunderndes Staunen und viel Anerkennung für die musikalischen Darbietungen bereithielt. 

Achim Fessler, 19.01.2024

IMG 20240119 181544 Kammermusikabend 2024 1
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Ein Abend voller Bücher und Überraschungen: Die Lesenacht am Gymnasium Hohenbaden

 

Am 12. Januar 2024 fand am Gymnasium Hohenbaden eine ganz besondere Veranstaltung statt – die Lesenacht für die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen. Ein abwechslungsreicher Abend erwartete die jungen Leseratten, der nicht nur spannende Geschichten, sondern auch die Möglichkeit zum gemeinsamen Übernachten in den Klassenzimmern bot.

Besonders aufregend war für die Schülerinnen und Schüler der 5. und 6. Klassen die Gelegenheit, nach dem Lesen in ihren Klassenräumen zu übernachten. Mit Schlafsack und Taschenlampe ausgestattet, wurden die Klassenräume kurzerhand zu gemütlichen Schlafplätzen umfunktioniert. Nach einer langen Lesephase durften die Kinder natürlich noch lesen, quatschen und ein bisschen spielen. Während einige einen beneidenswert tiefen Schlaf hatten, fanden andere weniger Schlaf und brauchten nachts um 2 ein bisschen Hilfe.

Am Morgen danach gab es ein gemeinsames Frühstück im Klassenverband, dann wurden noch kurz das Klassenzimmer und Teile der Schule aufgeräumt und geputzt. Anschließend ging es für viele in die privaten gemütlichen Betten.

Diese besondere Erfahrung stärkte nicht nur den Zusammenhalt, sondern schuf auch eine unvergessliche Erinnerung.

Eine besondere Note erhielt die Lesenacht durch die Teilnahme von 31 Viertklässlern umliegender Grundschulen, die sich durch ihre herausragende Leidenschaft fürs Lesen auszeichneten. Diese engagierten jungen Leserinnen und Leser waren eingeladen, gemeinsam mit den älteren Schülerinnen und Schülern das besondere Event der Lesenacht mitzuerleben. In der Aula erwartete sie anschließend ein kleines Überraschungsprogramm, das für muntere Augen und ordentlich Lautstärke sorgte. Dafür sorgten nicht nur die 9. Klässler, die die Moderation übernahmen. Es war erstaunlich zu sehen, dass 31 Grundschüler auf ein Kommando tatsächlich 20 Sekunden mucksmäuschenstill sein können. Gegen 22 Uhr wurden muntere und müde – aber glückliche – Kinder von ihren Eltern abgeholt. Bei unseren 5.+6. Klässlern sowie bei uns Lehrern hinterließen die 31 Grundschülerinnen und Grundschüler einen nachhaltigpositiven Eindruck und was die großen Mädchen gesagt haben werden, kann man sich bestimmt denken: „ Die sind so ...“:)

Die Lehrerinnen und Lehrer des Gymnasiums Hohenbaden bedanken sich herzlich bei den 4. Klässlern, die mit ihrer Begeisterung diesen Abend zu etwas Besonderem machten. Als Motivation gab es eine kleine Überraschungstüte mit einem nicht unbedeutenden Schnipsel (bleibt geheim und darf im Schuljahr 2024/25 eingesetzt werden), einem Lesezeichen, welches ein Hobaner oder eine Hobanerin gemalt hat sowie eine Leselusttüte von der Buchhandlung Mäx und Moritz, mit der wir stets gern zusammenarbeiten und deren Mitarbeitern ein besonderer Dank gilt! Und natürlich wurde den 4. Klässlern die Einladung ausgesprochen, auch im nächsten Jahr als stolze 5. Klässler - Leseratten an der Lesenacht teilzunehmen. Dieses Mal dann hoffentlich mit eigenem Schlafsack und erneut ganz viel Lust und Spaß gemeinsam mit den Mitschülerinnen und Mitschülern eine Nacht voller Bücher und Spaß zu erleben.

Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Es ist toll zu sehen, dass so viele Schülerinnen und Schüler mit Begeisterung an der Lesenacht teilgenommen haben. Ein herzliches Dankeschön geht an alle Organisatoren, Lehrkräfte Kirsten Westphal-Bettendorf, Christina Heynen-Junker, Kai Münch, Monika Knopf-Bruder, unsere Sekretärin Frau Frisch und natürlich den Kinder, die diesen Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht haben. Unser besonderer Dank gilt der 9. Klasse, die viel Zeit und Kraft in die Organisation gesteckt hat und tapfer ohne Schlaf durch die Nacht gekommen ist.

Die Lesenacht am Gymnasium Hohenbaden war nicht nur ein schönes Beispiel für die Förderung von Lesekompetenz, sondern auch ein gelungenes Gemeinschaftserlebnis. Wir freuen uns bereits auf die nächste Lesenacht im kommenden Jahr und hoffen, dass viele neue und bekannte Gesichter daran teilnehmen werden.

Verbindungslehrer Anja Hemman, Dirk Kassel und die SMV

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